Klimawandel extrem – der Sommer 2021 zwischen Hochwasser und Dürre

Nicht einmal der Hochwassersommer hat die Dürre in der Niederlausitz wirklich beendet

02.08.2021: Bei der Bundesmitgliederversammlung der GRÜNEN LIGA im März 2019 hatte der Hydrologe Udo Mellentin das Dürrejahr 2018 ausgewertet, aber auch die klimatologischen Zusammenhänge dargestellt. Viel zu wenige haben vor zwei Jahren diesen aufrüttelnden Vortrag gehört. In seinen Thesen zu den Extremereignissen in 2014 – 2018 hatte Mellentin – im Einklang mit der weltweiten Klimawissenschaft - „regional immer stärker ausgeprägte Trockenheit, Dürre und Hitze“ und „zeitgleich hohe Niederschlagssummen und extremes Hochwasser innerhalb Europas“ konstatiert.

Indem der Strahlstrom (jet stream) schwächer werde und stärker mäandriere, führe der Klimawandel zu verstärkten „Omega-Strukturen“: Über Wochen rühren sich die heißen und trockenen Hochdruckgebiete nicht von der Stelle, während es östlich und westlich davon kühler und feuchter ist als im langjährigen Mittel. Mit dem Klimawandel könnten also die bisher normalen Jahre zur Ausnahme werden: Regelmäßig dürfte man sich entweder auf der feuchten oder auf der trockenen Seite der Omega-Struktur befinden. Die Wahl fällt dann zwischen Beduinentuch und Regenmantel, eine Sommerjacke wird immer seltener benötigt.

Dieses Muster hat sich offenbar im Juli 2021 wiederholt. Nur dass die Dürre diesmal in Amerika und Russland stattfand und die Tiefdruckgebiete sich über Mitteleuropa drehten, ohne dabei vorwärts zu kommen. So bekamen die Hochwassergebiete in Westdeutschland letztlich sämtliches Wasser ab, das sich im bisherigen durchschnittlichen Wettergeschehen bis weit nach Osteuropa verteilt hätte. Auch die Lausitz und damit das Spreegebiet lag eigentlich noch auf der feuchten Seite des Omegas, also im Einfluss der Tiefdruckgebiete und erlebte seit Ende Juni 2021 eine Regenfront nach der anderen. Es ist absurd, aber das Hochwasserjahr hat in unserem Teil Deutschlands noch nicht einmal zu überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen geführt:

Während es in Aachen 149 % des langjährigen Juni-Mittels und 287 % des langjährigen Juli-Mittels regnete, fielen in Cottbus 62 % im Juni und 99 % im Juli. (Quelle: wetterkontor.de, langjähriges Mittel 1961-1990)

Für die Natur, soweit sie sich aus den oberen Bodenschichten versorgt, hat das (nach einem relativ feuchten Mai) noch ausgereicht, um in diesem Jahr sichtlich aufzuatmen. Für das Grundwasser dagegen gibt es zwischen Spree und Oder nach immerhin durchschnittlichen Niederschlagsmengen, gemittelt im Zeitraum Januar bis Mai, keine Entwarnung. Der Dürremonitor des Umweltforschungszentrums zeigt für den Gesamtboden bis 1,8 m Tiefe Ende Juli 2021 im Osten Deutschlands noch immer große Bereiche mit außergewöhnlicher Dürre, mit einem Schwerpunkt auf der Niederlausitz.

Dass Starkniederschläge kein Grundwasser bilden würden, ist eine grobe Vereinfachung. Konkret hängt es neben der Niederschlagsintensität auch von Geländegefälle und Pflanzenbewuchs ab, wie viel Wasser oberflächlich abfließt. Regenmengen, die in Mittelgebirgen, auf Betonflächen oder hügeligen Maisäckern zu Katastrophen führen, können in flachen Waldlandschaften immer noch versickern. Solche Wälder gibt es in der Niederlausitz und in ganz Brandenburg einige – die keinen Starkregen abbekommen haben. Und so hat der Hochwassersommer 2021 eine doppelte Tragik in West- und Ostdeutschland.

Auch in Zukunft wird es in der Lausitz trockene und feuchte, sogar sehr feuchte Jahre geben. Aber was ist, wenn die feuchten Jahre es nicht mehr schaffen das Grundwasser aufzufüllen, das die Trockenjahre abgesenkt haben? Wie kann es sein, dass angesichts dieser Gefahr Braunkohletagebaue noch immer Tag für Tag die statischen Grundwasservorräte abpumpen dürfen? Das war schon im letzten Jahrtausend keine gute Idee, im Jahr 2021 ist es nur noch Irrsinn.

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