Wie voll ist der Cottbuser Ostsee denn nun?

210616 leag schautafel fuellstand seeZum Füllstand des Cottbuser Ostsees hat die LEAG ihre Kommunikation geändert. Neben der maximal irreführenden Angabe der Füllhöhe wird nun auch eine Wassermenge angegeben, derzufolge der See inzwischen zu 23% gefüllt sei. Warum auch diese Zahl irreführend ist, lässt sich schnell erklären:

Die von der LEAG angegebene Wassermenge setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: Erstens dem eingeleiteten Spreewasser. Das hat sich den LEAG-Zahlen zufolge inzwischen auf 9,3 % des aufzufüllenden Wasserdefizits von 256 Millionen Kubikmetern erhöht.

Zweitens aber pumpt die LEAG Grundwasser aus der Umgebung in den See, damit die Ufer nicht durch ein zu steiles Grundwassergefälle ins Rutschen kommen können. Dazu werden die Tiefbrunnen des Tagebaues länger benutzt, dessen wasserrechtliche Erlaubnis wurde extra bis zum Jahr 2030 verlängert. So steigt die Füllhöhe des Sees zwar schneller an, das Wasser wird dabei aber nicht mehr, sondern nur umverteilt: Während das Wasser aus der Umgebung in das Tagebauloch wandert, wandert das Defizit aus dem Loch in den Porenraum der Umgebung. Dieses Nullsummenspiel kann man nicht als Auffüllung des vom Tagebau verursachten Grundwasserdefizits anrechnen.

Ähnlich verhält es sich drittens mit dem Grundwasser, dass natürlich auch ohne aktives Pumpen am tiefsten Punkt zusammenläuft. Um das als Auffüllen des vom Tagebau angerichteten Defizits anzuerkennen, müsste dort, wo das Wasser herkommt auch neues Grundwasser gebildet werden. Das ist seit 2018 wenn überhaupt nur marginal passiert, so dass auch hierbei letztlich die Umgebung entwässert wird, wenn das Wasser im See steigt.

Völlig falsch wäre es schließlich, die 23 % in zweieinhalb Jahren für die Zukunft hochrechnen zu wollen. Je mehr sich der See füllt, umso schwächer wird das Grundwassergefälle und der entsprechende Zustrom ausfallen. Auch die geotechnischen Gründe für den Pumpenbetrieb fallen irgendwann weg. Um die letzten zwei Meter Wasserstand in die riesige Fläche von 1900 Hektar zu füllen, kommt dann praktisch nur noch Spreewasser in Frage, das jetzt aus der Umgebung geborgte Wasser sickert spätestens dann dorthin zurück und der Flutung stehen dann auch schon die vollen Verdunstungsverluste gegenüber. Wie lange dieser Teil der Seeflutung dauern wird, das ist die eigentlich spannende Frage.

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