Klimaskeptische Aussagen bei Tagung an der BTU Cottbus

Der Wasser-Cluster Lausitz e.V. lud am 12. März 2021 an der BTU Cottbus zur „Wasserkonferenz Lausitz“ ein, bei der auch WCL-Vorstandsmitglied Dr. Christoph Gerstgraser einen Vortrag hielt. Dr. Gerstgraser versuchte dabei, den menschengemachten Klimawandel zu relativieren und verwies auf Einflüsse von außerhalb der Atmosphäre. Einer Cottbuser Studentin erschienen Gerstgrasers Thesen zum Klimawandel merkwürdig, sie fragte im Blog des renommierten Klimaforschers Stefan Rahmstorf nach. „Das ist Unsinn“ lautet die deutliche Bewertung des Klimawissenschaftlers. Unten beide Aussagen im O-Ton.

Die Wasserkonferenz wurde unter anderem auch aus Mitteln vom Lausitzbeauftragten des Landes Brandenburg Klaus Freytag gefördert. Der frühere Chef der Bergbehörde war bereits Ende 2019 in die Kritik geraten, als er den Pro Lausitzer Braunkohle e.V. trotz mehrfacher klimaskeptischer Äußerungen als Veranstalter einer „Kleinen Klimaschule“ förderte. Die Firma Gerstgraser (Ingenieurbüro für Renaturierung) ist seit ihrer Gründung regelmäßig für den Tagebaubetreiber Vattenfall/LEAG tätig und engagierte sich auch politisch für längere Braunkohleverstromung. So erschien das Logo der Firma mehrfach bei Pro Kohle-Demonstrationen neben dem Schriftzug „Wir leben von der Kohle und nicht von grünen Märchen!“ Firma Gerstgraser ist auch beteiligt an dem Konsortium, das unter Führung eines LEAG-Tochterunternehmens im Auftrag der Bundesregierung die Folgen des Kohleausstieges auf den Wasserhaushalt in der Lausitz untersuchen soll.

Zitat Dr. Gerstgraser (Wasser-Cluster Lausitz e.V.):

„Mit dem Milanković-Zyklus, ist es so, den können wir nicht ändern, Irgendwann haben wir die nächste Eiszeit. Das ist fast schon eine philosophische Betrachtung. Der menschengemachte Klimawandel, ist ein Faktum, aber wie groß ist er und wie stark wird er von dem Übergeordneten beeinflusst.? In den Alpen im Observatorium Sonnblick wird seit 1886 gemessen. Die Temperaturen sind gestiegen, aber die Sonnenscheindauer hat um 20 % zugenommen. Wenn wir jetzt hier in der Lausitz kein CO2 mehr emittieren würden, würde sich dann die Sonnenscheindauer ändern? Mitnichten. Das heißt, wir haben einen Faktor von außen. Diesen genau auseinanderzuhalten, ob die Hälfte, zwei Drittel, drei Viertel, könnte man lange diskutieren. Ich denke da sind wir von der Wissenschaft einfach noch nicht so weit. Das ist eine unglaubliche Herausforderung. Aber wir können nicht sagen, dass der Mensch an allem Schuld ist. Wenn wir auf alles verzichten würden, würde sich das Klima auch nicht ändern? Das wär hanebüchen.“

Bewertung von Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung):

„Das ist Unsinn. Die Milankovic-Zyklen sind gut verstanden (siehe z.B. https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/3-millionen-jahre-klimawandel-in-der-computersimulation/ ) und würden zwar in 50.000 Jahren zu einer neuen Eiszeit führen, allerdings wird auch dann noch so viel CO2 aus unseren bereits jetzt erfolgten Emissionen in der Luft sein, um diese Eiszeit zu verhindern, siehe https://www.nature.com/articles/nature18452 .
Die Veränderung der Sonneneinstrahlung an einer einzigen Messstation hat mit dem lokalen Wetter und der lokalen Luftverschmutzung zu tun, aber nichts mit Veränderungen der Sonnenaktivität. Die Sonnenleuchtkraft wird von Satelliten ständig gemessen und hat in den letzten Jahrzehnten abgenommen, was der von uns verursachten globalen Erwärmung leicht entgegen gewirkt hat. Stand der Wissenschaft nach vielen Studien ist, dass wir etwas mehr als 100% der globalen Erwärmung seit Mitte des 20. Jh. verursacht haben, d.h. ohne anthropogene Erwärmung hätte es eine leichte Abkühlung gegeben. Der Vortragende war wohl kein Klimaforscher und nicht über den Stand der Forschung zu diesen Fragen informiert.“

 

 

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