Wenn der Wasser-Papst vergeblich betet

Brandenburg wird immer trockener. Doch der Braunkohlekonzern Leag rechnet in seinen Tagebau-Planungen mit einer Grundwasserneubildung wie in früheren Zeiten, und das noch für hundert Jahre. Eine sehr teure Fehlkalkulation, deren Kosten die Leag sicher gern uns allen überlassen würde.

Dieser Beitrag erschien als Gastkommentar auf klimareporter.de:

Ingolf Arnold, bis 2020 Leiter der Abteilung Geotechnik des Lausitzer Tagebaukonzerns Leag, wird gern wahlweise als "Lausitzer Wasser-Papst" oder "Vater des Cottbuser Ostsees" bezeichnet. In der RBB-Dokumentation "Warten auf den Ostsee" gab er sich wenige Monate nach seiner Pensionierung optimistisch, dass die Flutung des Braunkohletagebaus Cottbus-Nord 2025 abgeschlossen sein wird. Denn, so Arnold im O-Ton: "Wir haben jetzt eine Phase von drei Trockenjahren hinter uns, und die Wahrscheinlichkeit, dass wir ab dem Jahr 2021, spätestens 2022 mal wieder richtige fette Jahre kriegen, steigt von Tag zu Tag. Der liebe Gott wird ein Einsehen haben, natürlich."

Inzwischen ist dazu der Faktencheck möglich:

Richtig fett war 2021 in der Lausitz nicht und der Sommer 2022 scheint um neue Hitze- und Trockenheitsrekorde wetteifern zu wollen. Die Wetterstation Cottbus verzeichnete im Juli nur elf Millimeter Regen – 42,5 Millimeter zu wenig im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Seit Januar 2018 summiert sich das Niederschlagsdefizit auf 465,5 Millimeter, davon 251,5 Millimeter seit Beginn der Ostsee-Füllung.

Im August regnete es zwar endlich wieder – bis zum 21. August waren es 55 Prozent des langjährigen Monatswerts –, an ein Ausgleichen der angesammelten Defizite ist aber noch lange nicht zu denken. Die Region wartet also weiter auf die Arnoldsche Sintflut.

Die Annahme, dass der Durchschnitt der trockenen und "fetten" Jahre schon irgendwie gleich bleiben wird, würde in letzter Konsequenz bedeuten, dass es keinen Klimawandel gibt. Genau dieser Gedanke scheint dem unter Arnolds Verantwortung entwickelten Grundwassermodell für die vier noch aktiven Tagebaue der Leag zugrunde zu liegen.

Klimawandel abbestellt

Das Modell rechnet beim Tagebau Jänschwalde bis zum Jahr 2100, beim Tagebau Welzow-Süd sogar bis zum Jahr 2150 einfach weiter mit den Grundwasserneubildungsraten der Jahre 1980 bis 2010. Die Leag hat den kommenden Klimawandel also mal eben abbestellt. Die Landesbehörden in Brandenburg haben die Betrachtung entsprechender Szenarien offenbar nicht eingefordert.

Dabei ist das genannte Modell die Grundlage der langfristig erwarteten Grundwasserstände und Seewasserspiegel. An diesen wiederum werden die Maßnahmen ausgerichtet, die für standsichere Ufer der künftigen Tagebauseen nötig sind. Sollte Gott kein Einsehen mit dem Wasserpapst haben und das Wasser in einigen Jahrzehnten niedriger stehen als jetzt prophezeit, müssen die jeweiligen Seen schlichtweg für jede Nutzung gesperrt werden.
Die Kosten solcher Zustände würde die Leag sicher gern uns allen überlassen.

Seit die Strompreise drastisch gestiegen sind, sind beim Verstromen von Braunkohle bis auf Weiteres wieder Gewinne möglich. Die müssen jetzt insolvenzfest zurückgelegt werden, um auf Kosten des Verursachers eine auch im Klimawandel funktionierende Folgelandschaft herzustellen.

Doch dafür müssen zunächst einmal die Landesbehörden in Potsdam einsehen, dass sie dem Tagebauunternehmen und seinen Propheten zu lange blind vertraut haben.

 

(Nachtrag vom 29.08.: Es hat noch weiter geregnet und die Krise so zumindest in den oberen Bodenschichten entspannt. Die Station Cottbus hat jetzt 119 % des langjährigen August-Mittels erreicht, was immerhin schon mal 13 Millimeter - knapp 3 Prozent - des oben erwähnten Niederschlagsdefizits ausgleicht. Doch gleichzeitig war der Monat auch sehr warm, was zu höherer Verdunstung führt.)

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