Mythos und Wirklichkeit: Kein „Winterkampf“ mit voller Kraftwerksleistung

Wem wurde nicht Anfang diesen Winters erklärt, alle Braunkohlenkraftwerke würden auf Hochtouren laufen, weil nur dadurch die Energieversorgung Deutschlands sichergestellt werden kann? Weil Gas infolge des Ukrainekrieges knapp und teuer wurde, hatte die Bundesregierung mit dem Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz (EKBG) extra den schon eingemotteten Blöcken Jänschwalde E und F erlaubt an den Strommarkt zurückzukehren, wo sie dann „kontinuierlich rund um die Uhr zuverlässig Strom“ (Zitat LEAG 17.10.2022) liefern.

Der BUND Brandenburg stellte nun bei Auswertung der Webseite energy-charts Anfang Februar fest, dass das Kraftwerk gar nicht die Leistung aller sechs Blöcke ins Netz einspeiste. Die Stromerzeugung in Jänschwalde überstieg auch im Winter (Dunkelflaute…) fast nie 2000 Megawatt, alle sechs Blöcke hätten aber 2790 MW Nettoleistung. Block C war seit September, Block A seit Dezember 2022 praktisch nicht mehr in Betrieb.

„Der Block C habe seit Ende September 2022 einen Generatorschaden und soll (…) Anfang März wieder zur Verfügung stehen.“ räumt die LEAG laut RBB ein. Ob das die ganze Wahrheit ist, wäre noch zu prüfen. Doch selbst dann wäre es bemerkenswert, wenn so ein angeblicher Garant für Versorgungssicherheit mal eben für einen kompletten Winter ausfällt. Dass niemand die Öffentlichkeit von sich aus darüber informierte, ist noch ein zusätzlicher Skandal.

Kurz darauf ein neue Überraschung: Wie die Tagesschau am 17. Februar berichtete, ist der Gaspreis noch während des Winters rapide gefallen: Gas für Januar 2024 kostete noch 62 Euro pro Megawattstunde, für März 2023 wurde es unter 50 Euro gehandelt. Braunkohleverstromung lohnt sich damit deutlich weniger als noch vor wenigen Monaten gedacht, denn ihre Wirtschaftlichkeit wird stark vom Verhältnis zwischen Gaspreis und CO2-Preis bestimmt. Im Dezember hatten wir auf eine Studie von Aurora Energy research hingewiesen, dass zurückgehende Wirtschaftlichkeit der Braunkohlenkraftwerke in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre erwartet. Deren Annahme, dass der Gaspreis ab 2025 wieder auf 71 Euro fallen würde (für 2023 wurden 196 Euro erwartet), galt zu diesem Zeitpunkt noch als ausgesprochen optimistisch, wurde nun aber offenbar von der Realität überholt.

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