Kirchengemeinde begrüßt Widerspruch von DUH/GL gegen Weiterbetriebszulassung des Braunkohletagebaus Jänschwalde

(Pressemitteilung der ev. Kirchengemeinde Region Guben)

Die Ev. Kirchengemeinde Region Guben begrüßt den Widerspruch der Deutsche Umwelthilfe (DUH) und GRÜNE LIGA gegen die Weiterbetriebszulassung des Braunkohletagebaus Jänschwalde. Dem Abbau von Braunkohle im Tagebau Jänschwalde stehen immense Schäden an Natur, Umwelt und Wasserhaushalt gegenüber, die allesamt gegen europäische Richtlinien verstoßen, wie dem Schutz von Flora-Fauna-Habitaten (FFH-Gebiete) und dem verbindlichen Grundwasserverschlechterungsverbot. In Übereinstimmung zu den Umweltverbänden bewertet die Ev. Kirchengemeinde Region Guben die Weiterbetriebszulassung des Tagebaus Jänschwalde als rechtswidrig.

Im Februar 2019 hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Grüne Liga gegen die Zulassung des Hauptbetriebsplan des Tagebaus Jänschwalde geklagt und in einem Eilverfahren den Stopp des Tagebaus erzwungen, da dessen Genehmigung zuvor durch das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) ohne erforderliche FFH-Verträglichkeitsprüfung erteilt worden war. Nachdem die Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) die Prüfung nachholte, genehmigte das LBGR den Weiterbetrieb im Februar 2020.

Aus Sicht von GRÜNE LIGA und DUH ist die vorgelegte FFH-Prüfung unvollständig. Vor allem dem Pinnower See, zwischen Guben und Lieberose im Lausitzer Landkreis Spree-Neiße gelegen, wird durch das Voranschreiten des Tagebaus Jänschwalde Schaden zugefügt, ohne dass die LEAG den massiven Wasserverlust des Pinnower Sees unter Kontrolle hat. Mittlerweile liegt der See im Bereich eines massiven Grundwasserabsenkungstrichters. Über 1000 Bohrungen rund um den Tagebau Jänschwalde saugen Wasser aus über 100m Tiefe ab. Entsprechend entsteht im Untergrund ein zu den Bohrungen hinführendes Grundwassergefälle, das bisher sämtliche Badeseen des Gubener Umlandes in Mitleidenschaft zog. Groß-, Klein- und Pastlingsee sowie der Deulowitzer See und der Pinnower See müssen seit einer Anordnung vom Juli 2018 des Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) durch den Verursacher LEAG zusätzlich mit Einleitwasser versorgt werden, um ein weiteres Absinken der Seewasserstände zu verhindern.

Durch die Einleitung erholen sich in den übrigen Seen die zum Teil drastischen Pegelverluste nun wieder. Am Pinnower See hingegen fällt der Seespiegel trotz des zusätzlichen Speisewassers. Nachdem der Seepegel mit Einleitbeginn von rund 1700m³ am Tag (=20l/s) erwartungsgemäß anstieg, fallen die Werte seit einem Jahr bzw. stagnieren mehr oder weniger. Der avisierte Zielwasserstand des Sees wurde nie erreicht. Selbst eines mit der Untersuchung beauftrage Ingenieurbüro kann den Verbleib des zugeleiteten Wassers nicht erklären.

„Es ist nicht Sache der Evangelischen Kirchengemeinde eigene Untersuchungen anzustellen, wenn aber den Anliegern als einzige Erklärung eine Allgemeinverfügung zur Einschränkung des Wasserverbrauch in Aussicht gestellt wird und damit den Siedlungsgemeinschaften am Pinnower See die Schuld an dem Dilemma auferlegt wird, dann ist das schon eine bemerkenswerten Vorgang des zuständigen Landesamtes“, sagt Matthias Bärmann von der Ev. Kirchgemeinde Region Guben: „Das mit dem Gut Grundwasser sorgsam umgegangen werden muss, ist sicher niemand mehr bewusst als den betroffenen Anliegern selbst! Denn sie sehen seit Jahren wie ‘ihr‘ See stirbt und plötzlich heißt es, dass ihr Wasserverbrauch Schuld daran trägt, während Tag für Tag der Grundwassertrichter des Tagebaus Jänschwalde größer und größer wird und immer näher kommt.“

Und dieser austrocknende Eingriff in die intakte Natur betrifft ja nicht nur den See. Jeder Quadratmeter Natur zwischen den Wochenendhäuser der Anlieger am See und dem Tagebau Jänschwalde bekommt den Durst des Tagebaus zu spüren. Moore und Wiesen dörren aus. Wasserstellen, die früher in den Wäldern überall in der Gegend zu finden waren, liegen seit Jahren trocken. „Ja, der klimatische Einfluss lässt sich nicht wegdiskutieren“, dessen ist sich auch Matthias Bärmann bewusst: „Aber wenn man im Untergrund den Stöpsel zieht, muss man sich nicht wundern, wenn die Badewanne nicht mal mehr halbvoll werden will.“

Nach Angaben des Bergbaubetreibers fördert die LEAG jedes Jahr 110.000.000m³ Wasser für die Trockenlegung des Tagebaus Jänschwalde aus dem Untergrund. Diese Menge würde genügen, um den Großraum Berlin eine halbes Jahr lang mit Wasser zu versorgen. Daher ist es für die Ev. Kirchengemeinde Region Guben unverständlich, dass ein solch brachialer Eingriff in den Wasserhaushalt, und damit in die gute Schöpfung Gottes, den FFH-Richtlinien und dem Grundwasserschutzgebot der Europäischen Union entsprechen soll. Es kann daher nur zutreffen, dass die negativen Folgen des Braunkohletagebaus Jänschwalde in Natur, Umwelt und Wasserhaushalt bei der Prüfung komplett ausgeblendet wurden, denn ansonsten hätte diese Genehmigung niemals erteilt werden dürfen.

Die Evangelische Kirchengemeinde ist bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein gutes Leben in unserer Region mit zu gestalten. Dazu gehört auch, im österlichen Glauben die Zukunft und das Leben der folgenden Generationen bei allem Tun und Lassen mit zu bedenken. Aus diesem Anspruch heraus ergeht unsere Forderung, den Genehmigungsvorgang der Weiterführung des Bergbaus nochmals eingehend und gründlich zu prüfen.

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