Tagebauflutung: Wasserspiegel im "Cottbuser Ostsee" sinkt offenbar

200427 cottbuser ostseeCottbus, 27. April 2020. Seit Anfang April ist der Wasserstand im Cottbuser See offenbar gesunken. Die GRÜNE LIGA sieht große flache Tagebauseen als im Klimawandel nicht verantwortbar an. Während der Tagebaubetreiber LEAG am 1. April den Füllstand mit 41 % angegeben hatte, liegt er lauf der Internetseite des Unternehmens aktuell wieder bei 40 %, obwohl in der Zwischenzeit Grundwasser aus der Umgebung und ca. 100.000 Kubikmeter Spreewasser in den See geflossen sind.

„Große flache Tagebauseen sind mit der nötigen Anpassung an den Klimawandel unvereinbar. Sollte der Wasserspiegel in diesem April wirklich durch Verdunstung gesunken sein, wäre das dramatisch. Denn der geplante riesige Flachwasserbereich ist noch gar nicht entstanden. Er wird in Trockensommern ein Vielfaches an Wasser verdunsten als die bisher gefüllten Bereiche.“ erklärt René Schuster von der GRÜNEN LIGA.

Schuster weiter: „Kommt es zu mehr als drei Trockenjahren, bevor der See voll ist, würde das trockenste bisher diskutierte Szenario noch deutlich unterschritten. Dann entzieht der See seiner Umgebung auch deutlich mehr Grundwasser als bisher angenommen. Wenn sich grundlegende Annahmen der Genehmigung als zu optimistisch erweisen, darf auch eine Umplanung kein Denkverbot mehr sein. Auf keinen Fall dürfen in den heute noch aktiven LEAG-Tagebauen weitere riesige Flachwasserseen geplant werden, nur weil das die Betreiber weniger kostet.“

Hintergrund:

Der 2015 beendete Tagebau Cottbus-Nord soll nach den Planungen des Betreibers LEAG der größte künstliche See Deutschland mit einer riesigen Verdunstungsfläche werden. Im April 2019 startete Ministerpräsident Dietmar Woidke medienwirksam die Flutung als „Cottbuser Ostsee“. Bereits nach zwei Wochen wurde die Flutung wegen (absehbarem) Wassermangel wieder unterbrochen. Der bisherige Füllstand des Sees ist überwiegend durch Grundwasserzustrom entstanden. Die scheinbar hohe Zahl von 40 % kommt dadurch zustande, dass die LEAG den Füllstand bezogen auf die Wasserspiegelhöhe angibt. Bezogen auf das Wasservolumen liegt er deutlich geringer. Das See soll später 126 Mio. Kubikmeter fassen, zusätzlich ist der Porenraum der Tagebaukippe aufzufüllen.

Am 1. April hatte unter anderem die Lausitzer Rundschau von einem Füllstand von 41 % berichtet, der Anteil aus der Spree wurde auf der LEAG-Homepage mit 9,3 Mio. m³ angegeben, inzwischen mit 9,4 Mio. m³.

Das im Antrag zur Seeflutung beschriebene „Trockenszenario“ geht von drei trockenen Jahren ohne Flutung und einer „anschließenden intensiven Flutungsphase“ aus. (Quelle: Planfeststellungsantrag von 2014, S. 86f)

Die Anlage flacher Seen über den von der Förderbrücke aufgeschütteten Kippen ist offenbar für die Tagebaubetreiber die billigste Art der Tagebaurekultivierung.

Links

aktuelle Grafik der LEAG zum „Füllstand“ des Sees

Erwähnung der LEAG-Angabe von 41 % in der Lausitzer Rundschau vom 1. April 2020

Kritik am Seekonzept (erschienen 2015)

 

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