Rundbrief vom 21. Oktober 2011

1. Vattenfall baut ohne CCS kein neues Kohlekraftwerkkohlerundbrief 2011 10 21 bild

2. "Gefahr Straßeneinbruch" und andere Bergbaufolgen

3. Radio-Tip: "Umgedrehte Landschaft", heute 19:15 Uhr, Deutschlandradio

4. Deulowitz geschlossen gegen Tagebau Jänschwalde-Nord

5. Französisches Fernsehen bei Lausitzer Energie-Exkursion

6. Termine...

Sehr geehrte Interessenten,

hier einige aktuelle Entwicklungen zur Lausitzer Braunkohle.

1. Vattenfall baut ohne CCS kein neues Kohlekraftwerk

Vattenfall wird ohne Einsatz von CCS kein weiteres Kohlekraftwerk mehr errichten. Am Mittwoch bekräftigte Vattenfall-Vorstand Tuomo Hattaka diese Entscheidung des Unternehmens noch einmals ausdrücklich in einem dpa-Gespräch. "Unsere Strategie ist klar: Ohne CCS werden wir keine neuen Kohlekraftwerke bauen - weder für Braunkohle noch für Steinkohle." Begonnene Bauprojekte würden aber zu Ende geführt. "Kohleverstromung ist derzeit kein Wachstumsfeld. Die Zukunft der Strom- und Wärmeerzeugung ist grün. Das haben wir schon vor Jahren erkannt und mit dem Umbau unseres Unternehmens begonnen. Konventionelle Energieträger werden verlieren, erneuerbare Energien legen zu." Das heiße aber nicht, dass man kurzfristig auf Kohle verzichten könne. (Einem schrittweisen mittelfristigen Ausstieg wie von den Umweltverbänden gefordert, widerspricht Hattaka damit nicht.) Angesprochen auf die Arbeitsplätze sagt er: "Wie bereits vor über einem Jahr beschlossen wollen wir 1500 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen abbauen. Bis Jahresende werden wir prüfen, ob zusätzliche Maßnahmen notwendig sind. Der Druck ist größer geworden." Bemerkenswert war, dass innerhalb der brandenburgischen Landespresse vom Donnerstag die "Lausitzer Rundschau" den kürzesten Artikel dazu veröffentlichte, PNN, MAZ und MOZ berichteten am Donnerstag deutlich ausführlicher, das "Neue Deutschland" druckte das gesamte Gespräch ab. Die brandenburgische Landesregierung hat sich von Neubauplänen zum Kraftwerk Jänschwalde jedoch bisher nicht offiziell verabschiedet und auch die Planverfahren zu neuen Tagebauen nicht eingestellt. Für diese nötigen Konsequenzen wird es nun höchste Zeit.

2. "Gefahr Straßeneinbruch" und andere Bergbaufolgen

kohlerundbrief 2011 10 21 bildWer dieser Tage von Spremberg nach Hoyerswerda fährt - gewissermaßen auf der direkten Magistrale zwischen Ober- und Niederlausitz - der wird von einem exotisch anmutenden Verkehrsschild aufgehalten: 30 km/h wegen "Gefahr Straßeneinbruch". Es ist genau die Stelle am Rande des ehemaligen Tagebaus Spreetal, von der Gundermann einmal sagte, dass er beim Weiterbaggern bald bei seinem eigenen Eingeweckten im Keller ankommen würde. Seit der überraschenden Rutschung vom 12.Oktober 2010 haben Sicherheitsüberprüfungen nun zur erwähnten Geschwindigkeitsbegrenzung geführt. Da zuvor jahrelang der Verkehr hier ungebremst rollte, haben wir Lausitzer also nochmal Glück gehabt, als die Rutschung weitab der öffentlichen Straße stattfand. Offensichtlich hätte es auch anders kommen können.

Anfang Oktober berichtete die Lausitzer Rundschau (auf der Lokalseite), dass der Lübbenauer Vier-Sterne-Campingplatz am Hindenberger See gesperrt werden mußte, da ein neues Gutachten Gefahren nicht ausschließen kann. Fördermittel und umfangreiche private Investitionen waren in das Tourismusprojekt am Tagebausee geflossen, 10 Arbeitsplätze sind betroffen. In der Stadt Lauchhammer müssen derweil 32 bebaute Standorte auf alten Kippen wegen des aufsteigenden Grundwassers hinsichtlich ihrer (Stand-)Sicherheit neu untersucht werden.

Gestern (20.10.) kündigte die LMBV in der Presse an, dass der größte Teil der im vergangenen Jahr gesperrten 18000 Hektar weiterhin für mindestens 5 - 12 Jahre gesperrt bleiben muß. Mehrere Firmen müssen inzwischen auf Kosten des Steuerzahlers von ihren Standorten umgesiedelt werden, das Naturschutzgroßprojekt "Lausitzer Seenland" wird vorfristig beendet, weil die Flächen nicht mehr zugänglich sind. Zum Problem können die Sperrungen auch für den Brandschutz werden, da sie für Löschmannschaften bei Waldbränden ebenfalls gelten.

„Wir wissen immer noch zu wenig über die Vorgänge in diesen Kippen“ zitiert die Lausitzer Rundschau den Leiter Geotechnik der LMBV. Kein gutes Zeichen für neue Tagebaue, auch wenn stets beteuert wird, dass bei Vattenfall-Flächen natürlich alles ganz anders sei. Hier die vier erwähnten Artikel der Lausitzer Rundschau.

http://www.lr-online.de/regionen/luebbenau-calau/Flutungsgefahr-Campingplatz-Hindenberg-gesperrt;art13825,3521224

http://www.lr-online.de/regionen/senftenberg/Wettlauf-gegen-das-Wasser-in-Lauchhammer;art1054,3527848

http://www.lr-online.de/politik/Tagesthemen-Gefaehrdete-Lausitzer-Kippen-bleiben-gesperrt;art1065,3537959

http://www.lr-online.de/regionen/Gesperrte-Tagebauflaechen-im-Kreis-bergen-hohes-Waldbrandrisiko;art96090,3537841

3. Radio-Tip: "Umgedrehte Landschaft", heute 19:15 Uhr, Deutschlandradio

"Am 12. Oktober 2010 geschieht im einstigen Tagebau Spreetal in der Niederlausitz etwas, womit niemand gerechnet hat: Viele Meter tief bricht auf altem Kippengelände der Untergrund. Wassermassen drängen und schießen nach oben, verwandeln über 100 Hektar Wald-, Wiesen- und Ackerfläche in eine Schlammwüste, kippen Lastwagen um und versclingen 83 Schafe. 4,5 Millionen Kubikmeter Erde rutschen innerhalb von Minuten weg - und erschüttern den Glauben an das, was hier gerade entsteht: ein riesiges Seengebiet, das Touristen in die strukturschwache gegend locken soll. Vor allem aber wirft der Grundbruch die Frage auf, wie kalkulierbar die Folgen jahrzehntelanger Landschaftszerstörung durch die Braunkohle überhaupt sind."

http://www.dradio.de/dlf/programmtipp/dossier/1538485/

4. Deulowitz geschlossen gegen Tagebau Jänschwalde-Nord

Bei einer Bürgerversammlung im Gubener Ortsteil Deulowitz am 18.Oktober zeigte sich erneut die eindeutige Ablehnung der Bergbaupläne durch die Bürger. "Wenn der Tagebau kommt, ist die Zukunft des Ortes in Frage gestellt." sagte Ortsbürgermeister Gert Richter und kündigte die Übergabe umfangreicher Bedenken des Ortes an die Planungsbehörde an. Der von Vattenfall geplante Tagebau Jänschwalde-Nord soll sich dem Ort auf 515 Meter nähern. In den verbleibenden Streifen könnte zusätzlich die Bahnlinie Cottbus-Guben umverlegt werden. Uwe Sell von der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung räumte ein, "dass es bei einem Tagebau unter bestimmten Witterungsverhältnissen unmöglich ist, die Werte des Bundesimmissions-schutzgesetzes permanent einzuhalten." Das Gesetz werde deshalb nicht direkt angewendet. Der Behördenvertreter erntete dafür bittere Bemerkungen der besorgten Deulowitzer. Das Verfahren werde voraussichtlich bis 2015 andauern, hänge aber davon ab, wie sich das Land in seiner Energiestrategie zum Neubau eines Kraftwerkes in Jänschwalde positionieren wird, so Klaus Weymanns von der Behörde.

5. Französisches Fernsehen bei Lausitzer Energie-Exkursion

Für einen Beitrag zur deutschen Energiepolitik im französischen Fernsehen begleitete ein Kamerateam am Dienstag die von der Umweltgruppe Cottbus angebotene Energie-Exkursion. Das Team begleitete eine 12. Klasse aus Potsdam beim Kennenlernen der Lausitzer Energiethematik vom Lehrstuhl Kraftwerkstechnik der BTU über die Tagebaukante in Lacoma bis zur Biogasnutzung in Atterwasch. Die Termine der Exkursion, die von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert wird, sind übrigens bis zum Jahresende ausgebucht. Einzelinteressenten können aber zu bereits angemeldeten Gruppen noch hinzustoßen.

6. Termine...

... stehen wie immer auf unserer Internetseite unter

www.lausitzer-braunkohle.de/termine.php

 

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