Lausitzer Kohle 2026: Was sich entschärft und was sich zuspitzt

251230 bild4Beim Lausitzer Kohleausstieg herrscht Chaos: Mit der Verkleinerung der Tagebaue Welzow und Reichwalde wird davon abgelenkt, dass der Tagebau Nochten gleichzeitig noch erweitert werden soll und hier weiter Wald enteignet wird. Das von Wissenschaftlern für die Lausitzer Braunkohle ermittelte CO2-Budget wird voraussichtlich 2028 überschritten und es gibt keine Anzeichen, dass die LEAG ihre zwei Tagebauverkleinerungen für die dringend gebotene Verkleinerung der Restseen nutzen will – im Gegenteil! Im heutigen Rundbrief wollen wir die neuen Fakten für Euch sortieren:

  • Nochten: Verfassungsbeschwerde gegen Waldenteignung
  • Welzow und das Wasser
  • Reichwalde: Lausitzbahn und (See-)Größenwahn
  • Jänschwalde: Symbole statt Fakten
  • Intensives Gespräch über Lacoma in Forst (Lausitz)

Der Rundbrief als pdf

Nochten: Verfassungsbeschwerde gegen Waldenteignung

Am 2. Januar wurde unser Wald für den Tagebau Nochten zerstört. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hatte den Eilantrag der Eigentümer abgelehnt und sich mit einer Begründung bis zum 22. Dezember Zeit gelassen. In den Jahren seit 2020 hatte die Umweltgruppe Cottbus den Wald gepachtet und hier einen einmaligen Veranstaltungsort geschaffen. Die enteignete Familie, die den Wald standhaft nicht verkauft hat, hat nun am 22. Januar 2026 Verfassungsbeschwer-de eingereicht, um das Vorgehen von LEAG, Oberbergamt und Oberverwaltungs-gericht überprüfen zu lassen.

Der Umgang mit dem Klimaschutz ist dabei ein zentrales Thema: Das CO2-Budget der Lausitzer Kohlekraftwerke zur Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles hatten Wissenschaftler der Universität Flensburg mit 205 Millionen Tonnen ab Januar 2022 beziffert. Trotz Absatzrückgang und Verkleinerung zweier anderer Tagebaue wird die LEAG dieses Budget im Jahr 2028 überschreiten. (Quelle: Istdaten und 2025 veröffentlichte Einsatzplanung der LEAG). Dann ist die Lausitzer Braunkohle entweder dafür verantwortlich, dass Deutschland das Ziel verfehlt und die Klimakatastrophe ungehemmt weiter wütet, oder dass in anderen Bereichen, wie Verkehr und Gebäuden noch drastischere Einschnitte nötig werden als ohnehin. Um auch noch bis 2038 baggern zu können, soll gleichzeitig das „Teilfeld Mühlrose“ mit einem Rahmenbetriebsplan neu genehmigt werden.

Einige Bilder aus den Jahren 2020 bis 2025 in unserem Wald gibt es hier

Welzow-Süd und das Wasser

Abb3 Revierkarte mit DichtwändenMit einem Brief vom 19. Januar informierte die LEAG den Brandenburgischen Braunkohlenausschuss über ein früheres Ende des Tagebaues Welzow-Süd. Dabei ist 2030 gar nicht drei Jahre früher als bisher geplant, auch wenn das praktisch alle Medien nachgeplappert haben: Schon als die LEAG am 15.04.2021 dem Braunkohlenausschuss ihren (viel zu späten) Verzicht auf Welzow-Süd II erklärte, wurde für Welzow-Süd I eine "angepasste Laufzeit des Tagebau bis ca. 2030" angekündigt, was man wörtlich in der damaligen Präsentation nachlesen kann. Auf eine genaue Jahreszahl wollte sich der Leiter Bergbauplanung der LEAG nicht festlegen, weil man Welzow als „Puffertagebau“ betreibe. Und so wurde über Jahre hinweg mal 2030, mal 2033 angegeben.

Die Neuigkeit bestand nicht im zeitlich, sondern im räumlich früheren Ende des Tagebaues, im Verzicht auf das sogenannte „Restfeld“. Der Bereich, der für die Förderbrücke zu eng ist und anders hätte abgebaut werden müssen, war schon 2021 umstritten. Drei Welzower Stadtverordnete hatten damals an den Braunkohlenausschuss geschrieben und mehr Abstand der Grube zu Proschim, einen Erhalt der Haidemühler Teiche und der dort befindlichen kürzesten Straßenverbindung nach Spremberg gefordert.

Mit der Erfüllung dieser Forderung aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen bleibt nun auch das Gelände stehen, auf dem früher der Ort Haidemühl stand, der um 2004 für den Tagebau umgesiedelt wurde. Das zeigt die Willkür, mit der der Bergbau in der Lausitz regierte und bis heute regiert: Die Bereitwilligkeit vieler Haidemühler zur Umsiedlung war den widerspenstigen Hornoern permanent vorgehalten worden. Nun war die (weitgehend) freiwillige Umsiedlung von Haidemühl letztlich überflüssig, aber die unfreiwillige von Horno wurde mit allen Mitteln durchgesetzt. Nicht zuletzt durch den heutigen Ministerpräsidenten und damaligen Vorsitzenden des Braunkohlenausschusses.

Bleibt die Frage, ob 500 Hektar weniger Abbaufläche (diese Zahl wurde am 11. Februar im Umweltausschuss des Landtages genannt) für die Verkleinerung des Restsees genutzt werden, die ein Beschluss des Brandenburger Landtages seit Jahren einfordert. Wer die Planung riesiger Seen ständig mit fehlenden Bodenmassen durch das Fehlen der verbrannten Kohle begründet, hat ja nun einige Millionen Tonnen mehr zur Verfügung. Ihre Vorstellungen soll die LEAG dem Braunkohlenausschuss am 12. März vorstellen. Bisherige Reaktionen auf Presseanfragen lassen allerdings nichts gutes ahnen. Seefläche ist schließlich die billigste Rekultivierung, solange der Staat das Wasser zum Fluten kostenlos ranschafft.

Dazu unsere Meldung „Umdenken der LEAG muss beim Tagebau Nochten weitergehen“ vom 23.01.2026

Reichwalde: Lausitzbahn und (See-)Größenwahn

Einen denkwürdigen Umweg an die Öffentlichkeit nahm die Nachricht von der Verkleinerung des Tagebaues Reichwalde: Die LEAG teilte sie dem Bürgermeister von Weißkeißel mit, dieser verkündete sie auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde, dann berichtete die Lokalseite und wir konnten mit einer Pressemitteilung reagieren.

Schon 2021 war der Verzicht auf 70 Millionen Tonnen Kohle verkündet worden, das sparte die Verlegung einer Kommandantur der Bundeswehr. Nun bleibt so viel Kohle im Boden, dass auch die Umverlegung der Lausitzbahn nicht mehr erforderlich ist. Das erspart den Anwohnenden eine neue Bahntrasse, der Bahn eine Verlängerung des Schienenweges um 8 Kilometer und der LEAG die Kosten der Bahnverlegung.

Die Kohle aus Reichwalde hat einen deutlich geringeren Energiegehalt als die der anderen Gruben und wird deshalb von bösen Zungen manchmal als „Blumenerde“ tituliert. Kampagnen gegen diesen Tagebau waren deshalb entbehrlich, die Verkleinerung durch das Unternehmen selbst war vorprogrammiert. Wie lange das Unternehmen insgeheim schon so plante, lässt sich nur spekulieren. Dass die LEAG keine Hemmungen hat, Betroffene, etwa die der Bahnverlegung, über Jahre im Unklaren zu lassen, hat sie schon mehrfach bewiesen.

Auch hier steht die Frage nach der Verkleinerung des Sees im Raum und auch hier versucht die LEAG durch einen unnötig großen See Rekultivierungskosten zu sparen und Folgekosten der Allgemeinheit zu hinterlassen. Statt den bisher geplanten See von 1490 ha (laut Braunkohlenplan von 1994) zu verkleinern, soll er sogar auf 2.000 ha vergrößert werden! (Drucksache 8/3955 des Sächsischen Landtags)

Dazu unsere Meldung „Angekündigte Verkleinerung des Tagebaues Reichwalde muss schnellstmöglich verbindlich werden - verkehrs- und strukturpolitischer Befreiungsschlag“ vom 12.01.2026

Jänschwalde: Symbole statt Fakten

Öffentlichkeitswirksam wurde am 5. Februar die Förderbrücke des Tagebaues Jänschwalde gesprengt. Die in der Live-Übertragung aufploppenden Kommentare (etwa „Danke, Robert Habeck!“) zeigen, wie Lausitzer Meinungen nicht immer von Sachkenntnis getrübt sind. Zur Erinnerung: Das Ende des Tagebaues Jänschwalde wurde mit dem Verzicht auf Jänschwalde-Nord besiegelt, eine Entscheidung der LEAG selbst vom März 2017, als Angela Merkel Bundeskanzlerin war und noch nicht einmal die Kohlekommission einberufen hatte. Auch ansonsten seriöse Medien ließen sich solche Fakten egal sein, um lieber mit Symbolik überfrachtete Geschichten zu erzählen. Förderbrücken vom Typ F 60 sind dabei in den Tagebauen Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde weiter im Einsatz, in Lichterfeld bei Finsterwalde steht zudem die als Museum konservierte Brücke des ehemaligen Tagebaues Klettwitz-Nord.

Dazu unsere Meldung „Anwohner reagieren erleichtert auf Sprengung der Förderbrücke des Tagebaues Jänschwalde - Tagebaufolgen bleiben noch für Jahrzehnte“ vom 04.02.2026

Intensives Gespräch über Lacoma in Forst (Lausitz)

2026 01 22 forst webAm 22. Januar schloss eine Diskussionsveranstaltung in der „Villa Digitalkultur“ in Forst (Lausitz) die Veranstaltungsreihe „Gespräche über Lacoma“ ab, bei der die Filmdokumentation „Lacoma – der Kohle im Weg“ an verschiedenen Orten in Brandenburg zur Diskussion anregte.

In Forst wurde das Podium gebildet von Julia Koppetsch, Projektleiterin am Forster Museum für Textil- und Industriegeschichte, Ingolf Kschenka, langjähriger Pfarrer in Forst-Nosdorf und René Schuster, Initiator und Autor des Filmprojektes. (Foto: Sebastian Kürten)

Ingolf Kschenka berichtete zunächst von der Tagebaukritik in Forst in den späten 1980er Jahren, die vom Friedenskreis Forst getragen wurde und sich insbesondere gegen einen damals geplanten Tagebau „Forst Hauptfeld“ wandte. Dies fand gleichzeitig mit dem Beginn des Konfliktes in Lacoma statt. Die Hindernisse für ein solches Engagement unter den Bedingungen der DDR wurden anschaulich diskutiert.

Julia Koppetsch stellte das zum Museum gehörende Archiv der verschwundenen Orte (AvO) vor. Ursprung ist die unfreiwillige Umsiedlung des Ortes Horno für den Tagebau Jänschwalde im Jahr 2004. Da Neu Horno ein Teil der Stadt Forst ist, war das Archiv als Dauerausstellung im Dorfgemeinschaftshaus seit 2006 in Forst präsent. Aktuell wird es überarbeitet und in das künftige Stadtmuseum integriert. Julia Koppetsch stellte die Überlegungen vor, die dabei eine Rolle spielen und verwies auf die künftig größere Präsenz im Internet. Angesichts der Gesamtbesucherzahlen von 14.000 über die gesamten Bestand des AvO in (Neu-)Horno wurde auch hinterfragt, ob ein zentralerer Ort in der Lausitz dem Thema nicht angemessener wäre. Auf Nachfrage des Moderators stellte sich auch heraus, dass reichlich die Hälfte der Anwesenden das AvO an seinem alten Standort nicht besucht hatten.
Ingolf Kschenka wurde anschließend nach der erneuten Braunkohlekritik in Forst gefragt, die mit der Debatte um neue Braunkohletagebaue ab 2007 begann. Er stellte die Entwicklung der Bürgerinitiative „Klinger Runde“ dar, die sich im Umfeld der Stadt formiert und später über das gesamte Kohlerevier vernetzt hat. Der Moderator warf die Frage auf, wie neben den abgebaggerten Orten auch an den Widerstand in letztlich geretteten Orte wie Grabko, Kerkwitz, Atterwasch und Proschim erinnert werden sollte.

Neben dem Umfeld der „Villa Digitalkultur“ waren frühere Engagierte des Forster Friedenskreises, sowie Menschen aus verschiedenen Dörfern des Spree-Neiße-Kreises und sogar einzelne Teilnehmende aus dem sächsischen Teil der Lausitz vertreten. Nach dem breiten Input sprach das anwesende Publikum Themen an wie die Nutzung der ehemaligen Tagebaukippen für Erneuerbare Energien, für die der Windpark Forst-Briesnig auf der Kippe des Tagebaues Jänschwalde ein lokales Beispiel darstellt. Einzelne Anwesende waren selbst Zeitzeugen des Lacoma-Konfliktes und verwiesen auf verschiedene in der Filmdoku nicht dargestellte Aspekte, wie etwa den Zusatzbeschluss zum Braunkohlenplan, der 1994 einen möglichen Erhalt von Lacoma noch offen hielt. An das Gespräch in großer Runde schlossen sich noch zahlreiche angeregte Einzelgespräche der Anwesenden an.

Die „Gespräche über Lacoma“ wurden unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung Brandenburg. Weitere Aufführungen von „Lacoma – der Kohle im Weg“ finden am Donnerstag, 12. März 2026 um 19:00 Uhr im ACUDKino in Berlin-Mitte im Rahmen der „langen Nacht des Naturschutzes“ und Freitag, den 20. März um 19:30 Uhr im traditionsreichen UTConnewitz in Leipzig im Anschluss an die Vorstellung des „Kohle-Atlas“ der Stiftung Weiterdenken statt.

Termine

Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg
12 March 2026
09:30 - 14:00
Cottbus, Neues Stadthaus, Erich-Kästner-Platz 1, 03046 Cottbus
Lacoma - der Kohle im Weg
12 March 2026
19:00 - 21:00
ACUD-Kino, Berlin-Mitte, Veteranenstraße 21
Lacoma - der Kohle im Weg
20 March 2026
19:30 -
Leipzig, UT Connewitz, Wolfgang-Heinze-Straße 12A

Dieser Wald ist der Kohlegrube im Weg

Dieser Wald ist der Kohlegrube im Weg

 

Lausitzer Menschen für einen früheren Kohleausstieg

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Lacoma-Filmdokumentation

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